Die aufgeregte Gesellschaft – Wie Emotionen unsere Moral prägen und die Polarisierung verstärken

04.11.2020 18:00 - 20:15

Veranstalter: Evangelische Stadtakademie Aachen

Ansprechpartner/-in: Simone Glup

Ort: Annakirche / Gemeindehaus

Gebühren: 20,00 Euro

Wöchentliches Seminar | In Kooperation mit der Bischöflichen Akademie des Bistums Aachen

Unsere moralischen Urteile sollten sich auf Prinzipien gründen und rational sein. So ist es der Anspruch der traditionellen Logos-Philosophie. Wie aber, wenn sich zeigen lässt, dass sie primär Effekte von Affekten sind? Von solchen wie Angst, Zorn, Ekel, Scham, Schuld? Dass sie Gesellschaften meist nicht einen, sondern polarisieren, weil sie sich nicht in Form von allgemeinen, egalitären Maximen manifestieren, sondern in gruppenspezifischen Vorurteilen und persönlichen Vorlieben? Dann gilt es zunächst, die Entstehung von Moral anders darzustellen: Als biologisch grundiert und durch den Druck motiviert, unter bestimmten natürlichen und sozialen Umweltbedingungen im Zusammenhalt der Gruppe überleben zu können. Daraufhin ließe sich zeigen, dass die Neigung zu stammesartigen Gebilden über die Identitäten und Loyalitäten organisiert werden, doch nicht allein darüber entscheiden muss, welche Moral herrscht. Menschen können ihre Vorurteile reflektieren und revidieren. Aber ob das reicht, um letztlich eine rational gefestigte Moral etablieren zu können? In seinem Buch „Die aufgeregte Gesellschaft. Wie Emotionen unsere Moral prägen und die Polarisierung verstärken“ (2019) unternimmt der Philosoph Philipp Hübl (*1975) einen Gedankengang mit diesem Ziel. Sein Ergebnis ist im besten Sinne bedenkenswert: Gerade im Hinblick auf heutige Tendenzen, Moral in Echokammern zu verkapseln und sie Andersdenkenden rigoros abzusprechen.


Leitung und Referent: Dr. Uwe Beyer