‚Hinter tausend Stäben keine Welt’? Eine philosophische Wahrnehmung Rainer Maria Rilkes

15.11.2020 11:00 - 17:00

Veranstalter: Evangelische Stadtakademie Aachen

Ansprechpartner/-in: Simone Glup

Ort: VHS Aachen

Gebühren: 48,00 Euro

Wochenendseminar | In Kooperation der ESA mit der VHS Aachen und der Bischöflichen Akademie des Bistums Aachen

Rainer Maria Rilke (1875-1926) ist ein Seismograph der Moderne. Er durchfühlt, wie das geistige Leben in Europa um die Wende zum 20. Jahrhundert hochgradig nervös wird und eine bis dahin unbekannte Daseinsbeschleunigung erfährt. Ich-Verlust, Realitätszerfall, die Zerstörung der monarchischen Gesellschaften im Mündungsfeuer des Ersten Weltkriegs: Während ein Denker wie Martin Heidegger (1889-1976) das neue Lebensgefühl mit einer ‚Ontologie der Zeit’ zu beschreiben versucht, skizziert Rilke im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts eine ‚Ontologie des Raums’. In ihn stellt er ‚Dinge’.

Durch deren Wahrnehmung soll jeweils eine ganze, in sich beruhigte, das Dasein des Menschen auf eine stimmige Weise in sich fassende Welt entstehen. Ding-Gedichte wie Der Panther und Das Karussell sind meisterhafte Beispiele dieser poetischen Praxis. Später wird Heidegger seinerseits dem Ding-Begriff eine zentrale Bedeutung in seinem Denken geben. Zudem gibt es Analogien zwischen Rilkes ‚Ontologie des Raums’ und der Philosophie des ZEN. In der Gegenwart spiegelt sich Rilkes Ansatz in der Sinnfeld-Ontologie Markus Gabriels (*1980) wieder. – Drei gute Gründe, sich Rilke aus philosophischer Perspektive zu nähern!


Leitung und Referent: Dr. Uwe Beyer

(2 Termine)
Sa. 11:00–13:00 Uhr | 14:30–18:30 Uhr
So. 11:00–13:00 Uhr | 14:30–17:00 Uhr