Libanon: Flüchtlings-Aufnahmeland und Krisen-Staat Vortrag/Gespräch

10.11.2021 18:00 - 21:00

Veranstalter: Evangelische Stadtakademie Aachen

Ansprechpartner/-in: Herr Dr. phil. Uwe Beyer

Ort: Haus der Evangelischen Kirche

Länder-Informationsveranstaltung

in Kooperation der ESA mit Amnesty International, dem Eine-Welt-Forum, dem Büro der Regionen Aachen-Stadt und Aachen-Land und der Save-me-Kampagne

 

Seit Beginn des Bürgerkrieges in Syrien 2011 sieht sich der ungleich kleinere Libanon vor der Aufgabe, viele Flüchtlinge aus dem Nachbarland beherbergen zu müssen. Inzwischen sind es weit über eine Million Men-schen - ungefähr die Hälfte davon Kinder - bei einer Zahl einheimischer Einwohner von ca. 4,5 Millionen. Die Folge ist ein auf Dauer unhaltbarer Zustand, der sich z.B. in einer Überlastung der Infrastruktur zeigt, mit Engpässen bei der Versorgung mit Elektrizität und Trinkwasser, mit Schulbildung und Erwerbsarbeit.

Lange erwiesen sich die meisten Libanesen solidarisch den Flüchtlingen gegenüber. Traditionelle Gastfreundschaft und aus der eigenen Geschichte das Wissen, was es bedeutet, wenn ein Bürgerkrieg das Land zerstört und den Menschen ihre Lebensmöglichkeiten nimmt, erzeugen Mitgefühl und Hilfsbereitschaft. Aber die Stimmung ist fragil: Nicht nur Geflüchtete, auch etwa eine Million Libanesen leben in Armut. Laut UN-HCR benötigen zur Zeit mehr als 3,3 Millionen Menschen im Libanon Hilfe zum Überleben. Außerdem war die Rückkehr der Syrer bereits bei den letzten Parlamentswahlen im Mai 2018 ein großes Thema, mit dem Politiker bei der Bevölkerung zu punkten versuchten.

Verschärfend kommt hinzu, dass der Libanon innenpolitisch geprägt ist durch ein Proporzdenken, das z.B. die vier höchsten Staatsämter den Mitgliedern bestimmter religiöser Gruppen vorbehält, und durch eine ver-krustete und korruptionsanfällige Bürokratie. Das Land hat eine der höchsten Staatsverschuldungsquoten der Welt, was seine Infrastruktur mangels Investitionen weiter verfallen lässt. Gegen diese Misere haben sich seit dem Oktober 2019 die stärksten landesweiten Proteste seit dem Ende des Bürgerkrieges 1990 entwickelt. Noch richten sie sich hauptsächlich gegen die Regierung und die politischen Eliten. Aber wird das so blei-ben?

Mit Blick auf mögliche politische Wege aus dieser explosiven Gemengelage wollen wir fragen: Was sind die gegenwärtigen Umstände, unter denen Flucht geschieht und die Flüchtlinge aus Syrien im Libanon leben müssen? Wie ist die einheimische Bevölkerung im Alltagsleben wie in ihren politischen Forderungen an die Regierung bisher mit den geflüchteten Menschen umgegangen und welche Veränderungen in den Einstellun-gen zeichnen sich ab? Welchen wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Einfluss hat die Aufnah-me der Flüchtlinge im Libanon gehabt? Wie ließen sich Perspektiven für eine Verbesserung der Lage der Geflüchteten wie der Einheimischen schaffen? Wie stehen absehbar die Chancen zu einer Eindämmung der Fluchtursachen, vor allem zur Beendigung des Bürgerkriegs in Syrien? Welche der Flüchtlinge konnten bis-her in ihre Heimat zurückkehren, ohne von der weiter bestehenden Herrschaft Assads Repressionen befürch-ten zu müssen? Welche Möglichkeiten gibt es durch Aufnahmeprogramme, wie zum Beispiel das Resettle-ment-Programm des UNHCR, für das die Save-me-Kampagne wirbt?

 

Referierende:

Youssef Karaki Gruppensprecher der Asylgruppe Aachen von Amnesty International, Student der Luft- und Raumfahrttechnik an der FH Aachen

N.N. von der Stadt Aachen

N.N. von der Save-me-Kampagne

 

Termin: Mi., 10.11 2021

Zeit: 18 bis 21 Uhr

Organisation und Moderation der Veranstaltung für die ESA: Dr. phil. Uwe Beyer

Der Eintritt ist frei.

 

 

Im Anschluss an die Veranstaltung laden wir zum Austausch bei einem kleinen Imbiss herzlich ein.