Vertrauen und Versöhnen oder Dominieren und Spalten? Zwei Äußerungsformen (nicht nur) von Religion

01.10.2020 19:00 - 21:00

Veranstalter: Evangelische Stadtakademie Aachen

Ansprechpartner/-in: simone.glup@ekir.de

Ort: Haus der Evangelischen Kirche

Gebühren: 5,00 / 3,00 Euro

An wohl allen Religionen lässt sich wahrnehmen, dass sie ambivalent auf den Menschen wirken können. Sie vermögen Vertrauen in die Quelle und Kraft des Lebens  zu stiften, zur Versöhnung, zum Frieden, zur Mitmenschlichkeit aufzurufen und durch Zeugnisse des Verzeihens und Erbarmens, der Güte und Liebe durch das allumfassende, Geborgenheit gebende Wesen zu trösten, wenn sich Menschen den eigenen Abgründen ausgesetzt, schwach, verletzlich, hilflos, dem Tode nahe fühlen. Sie können aber auch Menschen spalterisch darauf einschwören, sich als ‚Rechtgläubige’ zu bekennen und sich damit von anderen abzugrenzen, die dann als die Unmoralischen erscheinen, als Fremde, die in Versuchung führen wollen und für alle Übel verantwortlich sind, und die es deshalb im weltweiten Kampf des ‚Guten’ gegen das ‚Böse’ kenntlich zu machen und zu richten gilt.

Liegt diese Ambivalenz im uneindeutigen, das menschliche Fassungsvermögen übersteigenden, metaphysischen Wesen des Religiösen selbst? Oder sind es bestimmte Veranlagungen im Menschen, die das Verständnis der religiösen Wirklichkeit in die eine oder die andere Richtung entwickeln? Für die letztere These spricht, dass auch säkulare Weltanschauungen diese Ambivalenz zeigen. Das Ethos des Versöhnens wie das des Spaltens artikulieren auch politische Heils-Versprechen. „Versöhnen statt Spalten“ – das Motto des Politikers und Christenmenschen Johannes Rau – scheint dabei gerade nicht die Maxime des Zeitgeistes zu sein.

Lassen sich religiöse Grundtexte wie die biblische Erzählung vom Sündenfall tatsächlich unter beiden Vorzeichen plausibel auslegen? Welche dem Überleben dienenden Ur-Instinkte sind es, die Menschen zu der einen oder zu der anderen Lesart disponieren? Und wie können Menschen so über diese Instinkte aufgeklärt werden, dass sie in ihrer Religiosität verantwortlich für sich und ihre Mitmenschen mit ihnen umzugehen lernen?

Fragen wir diesen wird sich Pfarrer Ulrich Holste-Helmer in seinem Vortrag widmen.


Referent: Ulrich Holste-Helmer | Pfarrer im Kirchenkreis Aachen
Leitung: Dr. Uwe Beyer